Onboarding beschreibt die Phase, in der ein Angestellter in einem neuen Unternehmen ankommt. Diese Einarbeitungsphase ist sowohl für Arbeitgeber, als auch für Arbeitnehmer eine große Herausforderung. Seit einigen Jahren wird dem Onboarding deswegen auch eine größere Aufmerksamkeit geschenkt. Schließlich ist ein guter Start eine wichtige Voraussetzung für die gemeinsame Zusammenarbeit. In vielen Artikeln ist davon die Rede, dass viel Aufwand betrieben werden muss, um einen neuen Arbeitnehmer möglichst gut im Unternehmen aufnehmen zu können. Doch ist das wirklich so?

Von Hygiene und Motivation

 

Onboarding ist eine Philosophie für sich. In Ratgebernartikeln werden gerne einmal riesige Listen mit Tipps und Tricks abgedruckt. Nicht das wir uns falsch verstehen: Die Punkte auf den Listen klingen zumeist sehr plausibel und auch nicht kontraproduktiv, aber immer wieder doch sehr aufwendig.
Gerade mittelständische und kleine Unternehmen haben meistens gar nicht die Ressourcen, um die vorgeschlagene 10-Punkte-Liste mit Ratschlägen und Vorschlägen wirklich umsetzen zu können.

Ich möchte deswegen hier in Hygienefaktoren sowie Motivatoren unterscheiden.
Dies basiert auf der „Zwei Faktoren“-Theorie von Frederick Herzberg aus dem Jahre 1959. Hierzu eine kurze Erläuterung:

Die Theorie

 

Onboarding, Das perfekte Onboarding, Henryk Lüderitz, Business Coach Düsseldorf, Führungskräftetrainer

Herzberg unterscheidet in seiner Theorie zwischen Hygienefaktoren auf der einen und Motivatoren auf der anderen Seite.

Hygienefaktoren sind in einem Unternehmen sozusagen die Basisgrundlagen. Dazu zählen Gehalt, grundsätzliche Arbeitsbedingungen, die Sicherheit der Arbeitsstelle und der Einfluss der Arbeit auf das Privatleben. Die Hygienefaktoren sind in einem Unternehmen die Dinge, die nicht fehlen dürfen. Es wäre doch absurd, wenn es in einem Unternehmen keine Toiletten für die Bediensteten geben würde, oder? Das gilt natürlich auch für die Bereitstellung eines eigenen Arbeitsplatzes.

Die Motivatoren auf der anderen Seite, ziehen sich aus den Arbeitsinhalten im Unternehmen. Hier geht es um Anerkennung, Verantwortung, Aufstieg und Beförderung oder Wachstum. Wie Sie aus dem Wort Motivatoren bereits erkennen können, geht es bei diesen Faktoren darum, die Motivation der Angestellten hoch zu halten und sie an das Unternehmen zu binden.

 

Onboarding: Hygiene

 

Soviel zur Theorie. Was bedeutet das jetzt aber für das Onboarding? Hygienefaktoren sind hier sicherlich das Bereitstellen von sanitären Einrichtungen und einem festen Arbeitsplatz. Der neue Mitarbeiter sollte zudem Zugang zu Internet, seinem Email-Postfach und allen relevanten Cloud-Diensten haben. Das sind z.B. die absolut wichtigen Faktoren für den ersten Tag.
Ein neuer Mitarbeiter braucht aber genauso eine Vorstellung seiner Kollegen, wichtige Informationen über Arbeitszeitregelungen und einen Überblick über die Struktur im Unternehmen (gerne auch über Online Medien) . Der Chef sollte dem Mitarbeiter im Onboarding-Prozess natürlich auch erste Feedbackgespräche geben, damit dieser weiß ob er sich gut einlebt, oder es anfangs überhaupt noch nicht so richtig läuft.

Onboarding: Motivation

 

Jetzt wird es sehr Interessant: Was würde man im Onboarding als Motivatoren bezeichnen? Da wäre zum Beispiel die Begrüßungsmail mit Informationen über die oben genannten Hygienefaktoren, für den neuen Arbeitnehmer. Dazu zählt sicher auch ein Mentor für die erste Zeit der Eingewöhnung, den der neue Mitarbeiter als Ansprechpartner nutzen kann. Ein weiterer Motivator sind Teamevents, gemeinsame Aktivitäten außerhalb der Arbeitszeit und Gruppenarbeiten.

Was kann ich bieten?

 

 

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Für jedes Unternehmen gilt es, individuell zu prüfen, welche Onboarding Maßnahmen wirklich sinnvoll sind. Man kann das Onboarding sehr aufwendig bestreiten, muss dafür aber möglicherweise Mitarbeiterressourcen verwenden, die anderweitig fehlen. Heißt: Klar kann man extra Kollegen abstellen, die den „Neuen“ (oder die „Neue“) an die Hand nehmen, aber man sollte im Hinterkopf behalten, dass die abgestellten Mitarbeiter dadurch ihre eigentliche Arbeitszeit möglicherweise vernachlässigen.

Ein wichtiges Stichwort ist dabei auch die Begrüßungsmail: Gut umgesetzt ist diese ein absolut positiver Onboarding Motivationsfaktor. Aber was ist, wenn dann am ersten Arbeitstag nichts funktioniert? Die Email klingt dann letztlich sehr unglaubwürdig und ihr neuer Mitarbeiter wird sich fragen: „Wo bin ich denn hier gelandet?“.

Organisation

 

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Ein Unternehmen sollte zunächst darauf achten, dass die Basis stimmt. Hiermit meine ich vor allem die Hygienefaktoren. Der neue Mitarbeiter muss sich einfach darauf verlassen können, das Grundsätzliches funktioniert. Darauf sollte ihr Unternehmen also organisiert vorbereitet sein. Sind diese Grundlagen erfüllt, sollte eine Analyse der Motivatoren durchgeführt werden. Dazu kann man zum Beispiel folgende Fragen für sich beantworten:

Kann ich ein zusätzliches Teamevent für den neuen Mitarbeiter einschieben?

Passen unsere Standards zur geplanten Begrüßungsmail?

Sind meine abgestellten Mentoren vielleicht mit der Einführung des neuen Kollegen überfordert?

Passt das Onboarding zu unserer Firmenphilosophie und unseren Grundsätzen/Slogans?

Ihre Erfahrungen zum Thema Onboarding

Als Coach bin ich natürlich auf ihre Erfahrungen zum Thema gespannt. Funktioniert der Onboarding Prozess bei ihnen im Unternehmen gut, oder gab es schon einmal Schwierigkeiten?
Schreiben Sie mir auch ihre Gedanken zum Artikel gerne in die Kommentare.

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